Gedanken zur Performance "Stillness is monochrome?"

20. Juli 2018, Schloss Cobenzl

Für Margit Preis von Regina Polak

"Der ganze Körper ist von einer Flügelspitze zur anderen nichts als ein Gedanke."
(Die Möwe Jonathan)

Aber welcher?

Ich bin eine katholische Theologin. Die Sprache des Symbolischen ist mir nicht fremd. Auch nicht die Erfahrung, dass sich Geist inkarniert, zu Bild, zu Fleisch, zu Leib, zu Tanz wird. Aber als Theologin bedarf ich des deutenden, erschließenden Wortes. Denn Bild, Fleisch, Leib – das Symbolon, das Geist und Materie verbindet, ist immer mehrdeutig. Was also erzählt mir die Performance, in der ich mich da vorfinde? Ich benötige einen Schlüssel. Ein Wort.

Also orientiere ich mich an dem Text, den die wunderschöne, kerzengerade Margit liest. Ein Text aus einem Buch, dem ich immer ausgewichen bin. Zu fremd, zu verwirrend schien es mir, als ich es vor Jahren zu lesen begann. Ein Buch, an das ich jahrelang nicht gedacht habe – und das mir vor einigen Tagen ein guter Freund zu lesen empfohlen hat als Hilfe bei einer Frage, die mich umtreibt: die Frage nach dem Bösen. Länger schon frage ich mich mit Blick auf die aktuellen globalen und europäischen Entwicklungen, wie es nach zwei Weltkriegen, 55 Millionen Kriegsopfern, 6 Millionen ermordeten Juden möglich ist, dass die Medusa des Menschenhasses wieder ihr Haupt erhebt. Unterschätzen wir die Macht des Bösen? Was ist das Böse? Welche Wirklichkeit kommt ihm zu? [weiter]



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